Angelschirm: Welcher Schirm passt zu deinem Platz am Wasser?
Ein Angelschirm bietet dir am Wasser Schutz vor Sonne und Regen, auch bei Wind, ohne dass du ein Zelt aufbauen musst. Für die meisten Angler reicht ein klassischer Rundschirm mit 2,2 bis 2,5 m Durchmesser, einer Wassersäule ab etwa 2.000 mm und einem Knickgelenk. Er wiegt rund 2 bis 4 kg und steht in zwei Minuten. Wer öfter bei Schauern ansitzt, nimmt einen ovalen Brolly mit kurzem Überwurf. Seitenwände und Boden machen aus dem Schirm dagegen schon ein Schirmzelt.
Aktualisiert: November 2026

Grundsätzlich ist der Angelschirm die einfachste Variante, dich und dein Gerät bei schlechtem Wetter trocken zu halten. Im Prinzip ist er ein großer Regenschirm mit langer Mittelstange und Erdspieß, den du zur Wetterseite kippen kannst. Anders als ein Regenschirm steht er von allein, du hast also beide Hände für Rute und Kescher frei. Ob du mit der Stippe oder auf Grund angeln möchtest: Der Schirm wird bei fast allen Angelmethoden eingesetzt und ist entsprechend vielseitig einsetzbar. Schauen wir uns an, welche Bauformen es gibt und worauf es beim Kauf wirklich ankommt.
Angelschirm-Typen im Vergleich
Die Bauformen unterscheiden sich weniger im Stoff als in Form und Größe. Die Werte in der Tabelle sind Richtwerte, einzelne Modelle weichen ab.
| Schirmtyp | Spannweite | Gewicht (ca.) | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Klassischer Rundschirm | 2,2–3 m | 2–4 kg | Stippen, Feedern, Posenangeln am Tag |
| Oval-Schirm / Brolly | ca. 2,5–3 m breit, flacher | 3,5–6 kg | Karpfen-Kurzsession, Ansitz bei Schauern |
| Schirm mit Seitenwänden | 2,5–3 m | 4–8 kg | lange Ansitze bei Wind und Dauerregen |
| Strand- oder Kurzschirm | 1,8–2,2 m | 1,5–2,5 kg | Brandung, Mole, weite Fußwege |
Der Rundschirm
Der klassische Rundschirm ist der Allrounder und für Einsteiger eine gute Lösung, weil er sich einfach handhaben lässt: aufspannen, Spieß in den Boden, fertig. Mit 2,2 m deckt er einen Angler mit Sitzkiepe und Futtereimer ab, ab 2,5 m bleibt auch das Rutenfutteral trocken. Beim Friedfischangeln am Kanal oder See steht er meist schräg hinter dir, damit die Kopfrute frei bleibt.
Oval-Schirm und Brolly
Der Brolly ist flacher und breiter geschnitten. Die Kante reicht tiefer nach unten, oft mit kurzem Überwurf vorne, und hält dadurch Schräg-Regen besser ab. Beim Karpfenangeln für ein paar Stunden sitzt du darunter am bequemsten, weil du die Ruten auf dem Rod Pod direkt vor dir hast.
Schirm mit Seitenwänden und Kurzschirm
Zippst du Seitenwände an, ist der Schirm zu drei Seiten geschlossen und vorn offen. Das schützt vor Schräg-Regen und gibt Schutz gegen Wind von der Seite, verwendet wird diese Variante vor allem bei langen Ansitzen. Ist der Schirm komplett von einer Plane umschlossen, oft mit Boden, sind wir beim Schirmzelt. Der Kurzschirm ist das Gegenstück: kaum breiter als ein Regenschirm für zwei Personen, leicht, einfach unter den Arm zu klemmen und mit langem Erdspieß für Sand. Auf der Mole und bei Angelausflügen mit weitem Fußweg zählt jedes Kilo. Verwendet wird er auch gern als Sonnenschirm für Kinder, die am Ufer mit dabei sind.
Kaufkriterien: Worauf du beim Angelschirm achten solltest
Nun, im Laden sehen die meisten Schirme gleich aus. Den Unterschied merkst du am ersten richtig windigen Tag. Diese Punkte prüfen wir vorher:
- Durchmesser: 2,2 m für einen Angler, 2,5 m mit Gerät, 3 m für zwei Personen. Größer heißt aber auch mehr Windangriff.
- Material und Wassersäule: Als Material wird meist Nylon (oft 190T oder 210T) verwendet, es ist leicht. Polyester dehnt sich bei Nässe weniger, PVC-beschichtete Bespannung ist schwer, aber dicht. Gemessen wird die Wassersäule nach EN ISO 811. Ab 2.000 mm hält der Stoff Schauer ab, bei Dauerregen sind 5.000 mm und mehr angenehmer.
- UV-Schutz: Achte auf eine Angabe wie UPF 50+. Ein solcher Stoff schützt die Haut verlässlicher, und am Wasser kommt Strahlung auch von unten.
- Knickgelenk und Neigung: Ein Gelenk unter dem Dach lässt den Schirm zur Wetterseite kippen. Gelenke aus Metall halten länger als solche aus Kunststoff.
- Erdspieß: Eine lange, spitze Mittelstange mit Trittstufe dringt auch in festen Boden. Beim Material des Gestänges ist Stahl robust, Aluminium leichter.
- Abspannpunkte: Mindestens zwei, besser vier Ösen am Rand für Heringe und Leinen.
- Packmaß: Rundschirme messen gepackt rund 1,3 bis 1,6 m. Passt das in dein Auto und an deine Kiepe?
Die Schwachstelle sitzt meist im Gelenk, denn dort hängt bei jeder Böe die ganze Last. Beim Gestänge sparen wir deshalb ungern, ein gutes Gelenk ist uns ein paar Euro mehr wert als Extras.
Was im Lieferumfang enthalten ist
Bei einem neuen Angelschirm gehören eine Tragetasche und ein paar Heringe meist zum Lieferumfang. Abspannleinen sind nicht immer dabei, Seitenwände und Schirmhalter selten. Prüf also vorab, was im Lieferumfang enthalten ist, und rechne fehlendes Zubehör gleich mit ein. Dünne Draht-Heringe tauschen wir gegen stabile Stahlheringe mit 20 bis 25 cm Länge, die halten im Uferboden besser. Eine Seitenwand lässt sich bei vielen Modellen leicht nachrüsten. Achte dann darauf, dass Reißverschluss oder Klettband zur Schirmkante passen. Wer am Gewässer häufig den Platz wechseln will, nimmt einen leichten Schirm und lässt schweres Zubehör lieber zu Hause.
Aufstellen bei Wind und Regen
Am offenen Ufer fängt der Angelschirm Wind wie ein Segel. Einen Regenschirm hältst du in der Hand, diesen Schirm hält nur der Boden. Ohne feste Verankerung hebt ihn schon die erste starke Böe heraus. Am einfachsten gehst du so vor:
- Wind prüfen: Schau, woher Wind und Regen kommen. Der Rücken des Schirms zeigt immer zur Wetterseite.
- Erdspieß setzen: Den Spieß mindestens 30 cm tief in den Boden drehen. Drücken allein reicht selten.
- Schirm neigen: Über das Knickgelenk die Kante in den Wind kippen, so dass sie fast den Boden berührt.
- Abspannen: Leinen auf der Windseite zuerst spannen, dann die Gegenseite.

Mit Leine und Hering auf der Windseite bleibt der Schirm auch bei Böen stehen.
In hartem Boden hilft ein Trick: Mit einem Erdbohrer oder einem stabilen Hering vorbohren, etwas Wasser ins Loch gießen und den Spieß mit einem Gummihammer nachsetzen. Auf Steinpackungen und Molen klappt das gar nicht. Dort brauchst du einen Schirmhalter an der Sitzkiepe oder beschwerst den Fuß mit Steinen.
Bei Sturmböen holen wir den Angelschirm ein, auch wenn der Futterplatz gerade läuft. Steht ein Gewitter an, gilt das sofort: Metallstange und Carbonruten sind am offenen Ufer keine gute Gesellschaft.

Die vier Schritte zum sicheren Stand am Ufer, bei Sturm wird abgebaut.
Schirm, Schirmzelt oder Bivvy?
Wo der Schirm aufhört und das Zelt anfängt, ist nicht scharf geregelt. Grob trennen wir so:
| Unterstand | Aufbau | Schutz | Passt für |
|---|---|---|---|
| Angelschirm | 1–2 Minuten | oben und zur Wetterseite | Tagesansitz, Stippen, Feedern |
| Schirmzelt | 3–5 Minuten | rundum mit Plane | lange Tage, kühle Abende |
| Bivvy | 5–15 Minuten | geschlossen, oft mit Boden | Nächte am Wasser |
Das Schirmzelt mit umlaufender Plane beschreiben wir ausführlich in unserem Beitrag zum Schirmzelt. Es ist die bessere Lösung, wenn du als Angler auch abends bei Wind und Kälte sitzen bleiben willst. Für mehrtägige Ansitze lohnt der Blick auf geschlossene Angelzelte. Ob am Gewässer ein Zelt mit Boden erlaubt ist, steht in der Gewässerordnung deines Vereins. Ein offener Schirm als Wetterschutz ist meist unproblematisch.
Sonnenschutz am Wasser
Im Sommer brauchst du den Angelschirm eher gegen die Sonne als gegen Regen. Schutz vor Sonne und Regen leistet derselbe Stoff, entscheidend ist die UPF-Angabe. Das Bundesamt für Strahlenschutz weist darauf hin, dass Wasser, Sand und Schnee die UV-Strahlung reflektieren und verstärken. Unter dem Schirm bist du also nur teilweise geschützt. Kopfbedeckung und Sonnencreme bleiben Pflicht, gerade bei einem langen Ansitz am See, wenn sich Regen und Sonne abwechseln.
Pflege und Lagerung
Nach dem Angeln packen wir den Angelschirm oft nass ein. Das ist okay, solange er zu Hause sofort aufgespannt wird und mindestens einen Tag trocknet. Feucht gelagerter Stoff bekommt Stockflecken und riecht. Ein paar weitere Handgriffe:
- Sand und Schlamm am Erdspieß abwaschen, bevor er rostet.
- Gelenk und Streben einmal pro Saison mit Silikonspray behandeln.
- Nylon nach zwei bis drei Sommern mit Imprägnierspray nachbehandeln, PVC nur feucht abwischen. Das Material verträgt keine Lösungsmittel.
- Gebrochene Streben früh tauschen, sonst reißt der Stoff an der Spitze.
Was sonst noch an Angelzubehör in die Tasche gehört, zeigt unsere Übersicht zum Angelzubehör.
Häufige Fragen zum Angelschirm
Wie groß sollte ein Angelschirm sein?
Für dich allein reichen 2,2 m. Mit Futtereimer, Kescher und Taschen sind 2,5 m bequemer, zu zweit solltest du 3 m nehmen.
Welche Wassersäule braucht ein Angelschirm?
Für Schauer genügen 2.000 mm. Wer oft bei Dauerregen sitzt, achtet auf 5.000 mm oder mehr und auf getapte Nähte.
Was ist ein Brolly?
Brolly ist englische Umgangssprache für Regenschirm. Bei Anglern meint es einen flachen, ovalen Schirm mit tief gezogener Kante, oft mit kurzem Überwurf.
Kann ich den Schirm am Angelstuhl befestigen?
Ja, ganz einfach mit einem Schirmhalter. Viele Sitzkiepen haben dafür eine Aufnahme, für einen Angelstuhl gibt es Klemmhalter. Bei Wind ersetzt der Halter aber keine Abspannung.
Reicht nicht ein großer Regenschirm?
Für eine Stunde Stippen vielleicht. Ein großer Regenschirm hat aber weder Erdspieß noch Knickgelenk, du müsstest ihn die ganze Zeit halten. Als Angelzubehör für Regen und Sonne über mehrere Stunden taugt er nicht.
Wie bekomme ich den Erdspieß in harten Boden?
Vorbohren, Loch anfeuchten und den Spieß drehend mit dem Gummihammer nachsetzen. Auf Stein hilft nur ein Halter oder Beschweren.