Skip to main content

Nachtangeln: Ist es erlaubt und wie fängst du nachts Fisch?

Nachtangeln ist in Deutschland mal zulässig, mal verboten. Ob du nach Einbruch der Dunkelheit fischen darfst, regeln das Fischereirecht deines Bundeslandes und die Gewässerordnung des Vereins oder Pächters. Die Gewässerordnung ist dabei oft strenger. Und warum Nachtangeln überhaupt? Viele Fische fressen im Dunkeln deutlich mutiger als am Tag, allen voran der Aal. Wir zeigen dir, was du vorher klären musst, welche Zielfische dann beißen und welche Ausrüstung du wirklich brauchst.

Aktualisiert: November 2026

Zwei Angelruten mit leuchtenden Bissanzeigern am nächtlichen Seeufer, dahinter ein Angelschirm mit rotem Licht

Ist Nachtangeln in Deutschland erlaubt?

Eine Regel für ganz Deutschland gibt es nicht. Fischerei ist Ländersache, und so hat jedes Bundesland sein eigenes Fischereigesetz und eine Landesfischereiverordnung, in der meist auch steht, ob ein Angler in der Nacht fischen darf. Ab wann die Nacht beginnt, legt die jeweilige Ordnung fest, meist bezogen auf Sonnenuntergang und Sonnenaufgang.

Wie schnell sich das ändern kann, zeigt Baden-Württemberg. Dort galt lange ein generelles Nachtangelverbot. Nach einer Klage vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart fiel es Anfang 2022 an den meisten Gewässern. Am Bodensee und am Kraftwerk Rheinau gilt es laut Mitteilung der Landesregierung weiter. Zudem können Fischereiberechtigte die Nachtfischerei über ihre Erlaubnisscheine regeln, und für Schutzgebiete kann der Naturschutz eigene Vorgaben machen.

Beachte: Selbst wenn das Landesrecht es zulässt, kann die Gewässerordnung es verbieten oder nur in bestimmten Monaten erlauben. Manche Vereine verlangen dafür eine Zusatzkarte. Wer trotz Verbot nach Sonnenuntergang fischt, muss mit einem Bußgeld rechnen und riskiert seinen Erlaubnisschein.

Du solltest dich deshalb vorab informieren, welche Regeln am einzelnen Gewässer gelten. Diese Punkte prüfst du vor der ersten Nacht:

  • Landesfischereigesetz und Landesfischereiverordnung deines Bundeslandes
  • Gewässerordnung und Erlaubnisschein des Vereins oder Pächters
  • Schutzgebietsverordnung, falls der Angelplatz in einem Naturschutzgebiet liegt
  • Schonzeiten und Mindestmaße für deinen Zielfisch
  • im Zweifel ein Anruf bei der unteren Fischereibehörde

Darf ich beim Nachtangeln zelten oder übernachten?

Nun, das ist eine eigene Frage. Die Nachterlaubnis heißt noch nicht, dass du am Gewässer ein Zelt aufbauen oder dort schlafen darfst, denn viele Gewässerordnungen unterscheiden zwischen einem Angelschirm als Wetterschutz und einem geschlossenen Zelt mit Boden. Hinzu kommen Naturschutzrecht und Vorgaben des Eigentümers, die wildes Zelten oft ganz untersagen.

Steht in deiner Gewässerordnung nichts dazu, frag beim Verein nach. Ein Schirmzelt ist dort, wo die Ordnung es zulässt, die bequemste Lösung, weil es schnell steht und vorn offen bleibt. Für ganze Nächte kommt eine Karpfenliege dazu, damit du nicht auf dem kalten Boden liegst.

Welche Fische beißen nachts?

Nachts verlassen sich viele Fische weniger auf die Augen und mehr auf Geruch und Seitenlinie. Raubfische ziehen in flache Bereiche, Friedfische suchen ungestört den Grund ab. Von den klassischen Räubern Hecht, Zander und Barsch ist der Zander der eigentliche Nachtjäger, Hecht und Barsch rauben vor allem bei Tageslicht. Vier Arten sind für den Nachtansitz die erste Wahl:

Zielfisch Methode Köder Beste Jahreszeit
Aal Grundmontage mit Laufblei, Rutenspitze oder Pose mit Knicklicht Tauwurm, Wurmbündel, Fischfetzen, Köderfisch Mai bis September, schwüle Nächte
Zander Flach laufender Wobbler in Ufernähe, Köderfisch-Ansitz auf Grund schlanker Wobbler, Gummifisch, toter Köderfisch Sommer und Herbst, nach der Schonzeit
Wels Ansitz mit Grundmontage oder Unterwasserpose toter Köderfisch, großes Wurmbündel, Pellets Hochsommer, Juni bis August
Karpfen Selbsthakmontage auf Grund Boilie, Mais, Partikel Juni bis September

Der Aal ist der klassische Nachtfisch. Er beißt am besten in schwülen Nächten, oft kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Zander ziehen im Dunkeln an Steinpackungen und Sandbänke, um Weißfische zu jagen. Möchtest du gezielt auf Zander nachts angeln, findest du die passenden Köder in unserem Ratgeber zu Zanderködern.

Wels und Karpfen sind die Fische für den Daueransitz. Große Exemplare beißen im Hochsommer oft erst nach 1 Uhr oder am frühen Morgen. Wie du den Platz vorbereitest und anfütterst, liest du in unserem Ratgeber zum Karpfenangeln.

Infografik: vier typische Zielfische für die Nacht mit passender Methode, Köder und Jahreszeit

Die vier typischen Fischarten für den Nachtansitz im Überblick.

Wann ist die beste Zeit zum Nachtangeln?

Die erste Stunde nach Sonnenuntergang ist oft die beste. Wenn das Licht schwindet, ziehen Zander und Aal ins Flachwasser, und viele Bisse kommen genau in dieser Übergangszeit. Danach wird es häufig ruhiger, bis sich vor der Morgendämmerung noch einmal ein Beißfenster öffnet. Karpfen halten sich weniger an die Uhr, bei ihnen zählen Wassertemperatur, Luftdruck und die Wetterlage der letzten Tage deutlich mehr als die genaue Stunde.

Sommernächte von Juni bis August bringen die meisten Bisse, weil das Gewässer nachts kaum abkühlt. An Flüssen beißt der Aal oft bei steigendem, trübem Wasser, in Seen und Stauseen eher in flachen Buchten. Schwüle Nächte vor einem Wetterumschwung gelten bei Aalanglern als besonders fängig. Im Herbst gibt es vor allem auf Zander noch gute Fänge, solange das Wasser nicht zu stark abgekühlt ist. Im Winter tut sich nachts an den meisten Gewässern wenig. Dann fängst du tagsüber besser.

Unser Rat: Plane den ersten Nachtansitz in einer milden Juninacht ohne Wind. Die Nacht ist dann kurz, und du lernst den Platz noch in der Dämmerung kennen.

Was brauchst du zum Nachtangeln?

Grundsätzlich reicht deine normale Ansitzausrüstung. Für die Dunkelheit ergänzt du die Ausrüstung um ein paar Dinge, sonst wird es schnell ungemütlich.

  1. Kopflampe mit Rotlicht: Beim Anködern und Abhaken brauchst du beide Hände frei. Der Rotlichtmodus blendet dich und deine Nachbarn nicht und scheucht keine Fische in Ufernähe auf. Worauf du beim Kauf achtest, steht in unserem Ratgeber zur Kopflampe.
  2. Knicklichter: Sie kommen an die Pose oder an die Rutenspitze. Für Posen gibt es Größen wie 3,0 × 25 mm, für die Rutenspitze eher 4,5 × 39 mm.
  3. Elektronische Bissanzeiger: Beim Grundangeln melden sie jeden Zupfer mit Ton und Licht. Ein Funkbissanzeiger überträgt den Biss zusätzlich auf einen Empfänger im Schirm. Die Ruten musst du trotzdem im Blick behalten.
  4. Liege und Wetterschutz: Wer mehrere Stunden bleibt, braucht eine Liege und einen Schirm gegen Tau und Regen.
  5. Warme Kleidung: Auch im Sommer kühlt es nach Mitternacht deutlich ab. Pack eine warme Mütze und eine zusätzliche Jacke ein. Wer warm eingepackt ist, hält länger durch.

Unser Tipp: Bau dein Gerät noch bei Tageslicht auf, so wie es erfahrene Angler machen. Wer erst im Dunkeln Montagen bindet und Ruten auslegt, verheddert sich und macht unnötig Lärm.

Kopflampe mit Rotlicht, Knicklichter, Bissanzeiger, Thermoskanne, Jacke und Rettungsweste auf einer Unterlage im Gras

Rotlicht, Knicklichter und eine dicke Jacke gehören bei jedem Nachtansitz in die Tasche.

Wie bleibst du nachts am Wasser sicher?

Im Dunkeln sieht jedes Ufer fremd aus. Eine steile Böschung oder rutschige Steine siehst du oft erst, wenn es zu spät ist. Deshalb gilt:

  • Geh möglichst nicht allein, und sag jemandem, wo du angelst und wann du zurück bist.
  • Schau dir den Platz bei Tageslicht an. Für den Anfang wählst du am besten eine Stelle in der Nähe des Parkplatzes.
  • Trag am steilen Ufer, auf Steinpackungen und im Boot eine Rettungsweste. Automatische Westen nach EN ISO 12402-3 haben 150 Newton Auftrieb und lösen bei Wasserkontakt aus.
  • Prüf vorher den Wetterbericht. Zieht ein Gewitter auf, packst du sofort ein, denn eine Rute aus Kohlefaser leitet Strom.
  • Nimm ein geladenes Handy und eine Ersatzlampe mit.

Warum ist Rücksicht am Gewässer wichtig?

Nachts hört man jedes Geräusch über das Wasser. Laute Musik und zugeschlagene Autotüren stören Anwohner und Tiere. An Badeseen sind abends oft noch Spaziergänger und Badegäste unterwegs. Stell deine Ruten abseits vom Uferweg auf, sodass niemand über die Schnur stolpert. Leuchte nicht mit dem Weißlicht über das Wasser oder in Nachbarzelte. Das Rotlicht reicht für fast alles.

Und der Müll? Der kommt wieder mit nach Hause. Das gilt auch für Schnurreste und verbrauchte Knicklichter. Angler, die ihren Platz sauber hinterlassen, helfen dem eigenen Verein, die Nachterlaubnis am Gewässer zu behalten.

Häufige Fragen zum Nachtangeln

Ab wann gilt Angeln als Nachtangeln?

Das legt die Landesfischereiverordnung oder die Gewässerordnung fest. Meist beginnt die Nachtzeit, sobald die Sonne untergegangen ist, manchmal erst eine Stunde später. Sie endet in der Regel mit Sonnenaufgang. Lies die genaue Formulierung in deiner Ordnung nach.

Brauche ich eine besondere Angelkarte fürs Nachtangeln?

Manche Vereine verlangen eine Zusatzkarte oder eine Eintragung im Erlaubnisschein, andere nicht. Den Fischereischein brauchst du in jedem Fall, dazu die Angelkarte fürs Gewässer.

Welcher Köder fängt nachts Aal?

Am häufigsten fangen Tauwurm, Wurmbündel und Fischfetzen auf Grund. Ein toter Köderfisch selektiert eher größere Aale.

Ist Nachtangeln in Baden-Württemberg erlaubt?

An den meisten Gewässern ja, seit die Landesfischereiverordnung Anfang 2022 geändert wurde. Am Bodensee und am Kraftwerk Rheinau gilt das Verbot weiter, und die Gewässerordnung deines Vereins kann zusätzliche Einschränkungen enthalten.

Lohnt sich der Nachtansitz für Anfänger?

Ja, wenn du die Stelle schon vom Tag kennst und nicht allein gehst. Für die erste Nacht reicht eine einfache Grundmontage auf Aal oder Karpfen mit Bissanzeiger. Spinnfischen im Dunkeln erfordert mehr Übung.

Click to rate this post!
[Total: 0 Average: 0]